Über uns

Seit der Gründung des Lübecker Shanty-Chores "Möwenschiet" im Jahre 1980 stand der Chor bis 1996 unter der Leitung von Thomas Pohle. In dieser Zeit entwickelte der Chor einen hohen Qualitätsstandard, so dass auch Rundfunk und Fernsehen auf den Möwenschiet-Chor aufmerksam wurden. Unter Thomas Pohles Leitung wurden eine LP, eine Single sowie zwei CDs produziert.

Im Jahre 1996 kam es zu einem Wechsel in der der musikalischen Leitung des Chores. Der diplomierte Geigenlehrer Martin Stöhr führt seit dieser Zeit die Regie über uns ca. 40 Laiensänger. Obwohl der Bereich der Shanty-Musik bis dahin nicht seine Welt war, hat der begeisterungsfähige Chorleiter uns zu neuen Höchstleistungen geführt. Es ist wohl als Glücksfall für den Chor zu werten, dass dieser junge Chorleiter noch offen für musikalische Experimente ist und uns mit neuen Klangerlebnissen überraschen kann. Wer unseren Chorleiter Martin Stöhr bei einem Auftritt beobachtet, dem bleibt nicht verborgen, dass hier ein Vollblutmusiker am Werke ist. Viele Shanty-Chöre beneiden uns um diesen Leiter. Wir hoffen, dass wir noch lange mit ihm erfolgreich zusammenarbeiten können.

Inzwischen hat der Chor 2 weitere CDs als Live Mitschnitte produziert, um auch die Stimmung wiederzugeben, wenn der Chor auftritt, produziert

Geleitet wird der Chor seit über 30 Jahren von Egon Ruland, den 1. Vorsitzenden.

Als musikalischer Botschafter der Hansestadt Lübeck, begleitet der Chor auswertige Termine bei den Hansetagen und war in Mainz dabei, als Lübeck dort zur Stadt der Wissenschaft gekürt wurde. "Möwenschiet" eröffnet traditionell musikalisch die Travemünder Woche. Nicht unerwähnt lassen möchten wir, dass wir die G 7 Außenminister bei der Vorbereitung zum Gipfel in Lübeck mit maritimen Klängen im Lübecker Audienzsaal unterhalten haben.

Spaß machen und Spaß haben ist unsere Devise.

Zur Gründungslegende 35 Jahre Lübecker Shanty-Chor
(vorher Waterkantchor) "Möwenschiet"

Es ist auffällig, dass in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts viele Shantychöre entstanden. Die Gründe dafür müssten eigentlich einmal näher untersucht werden. Shanties und diverse Küstenschlager waren durch Interpreten wie Hans Albers und Freddy Quinn, durch Lale Andersen, Lolita (z.B. „Seemann, deine Heimat ist das Meer“) oder Melina Mercouri (z.B. „Ein Schiff wird kommen“) beliebte Ohrwürmer. Maritimes fand auch über die Literatur sein Publikum. Die Gestalt des Seemanns Kuttel Daddeldu von Joachim Ringelnatz steht hier für vieles mehr. Aus diesem Umfeld ist  auch die Entstehung von „Möwenschiet“ verständlich.

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Natürlich hat „Möwenschiet“ nicht nur einen unorthodoxen, frechen und doppelsinnigen Namen, sondern auch eine sehr ungewöhnliche Entstehungsgeschichte zu bieten. Wenn man sie sich von Rolf Uwe Haschke (*1959) erzählen lässt, hat man sofort wieder das Gefühl, dass auch Kuttel Daddeldu dabei irgendwie die Hände im Spiel gehabt haben muss. Nur heißt der moderne Kuttel  jetzt Ole Pinelle und entstammt der Feder von Fritz Graßhoff (1913-1997), damals in einschlägigen Kreisen bekannt als Zeichner, Maler, Schriftsteller und Schlagertexter. Er war  irgendwie bekannt mit Harry Hockauf, Besitzer einer Insider-Kneipe in der Lübecker Engelsgrube, der sie nach  Graßhoffs schrulligem Seemann „Ole Pinelle“ benannt hatte.

  Harry Hockauf wollte kreativ sein und  seinen Gästen einmal etwas anderes Geistvolles und Hochprozentiges bieten. So hat er Fritz Graßhoff zu einer Lesung in seine Kneipe und zu einer weiteren auf die „Passat“ eingeladen. Der Künstler hatte sich für das Beiprogramm einen Shantychor erbeten. Die daraufhin gestarteten Verhandlungen zwischen Hockauf und dem Passat Chor (seit 1976) scheiterten an der Höhe der geforderten Gage (angeblich 2.000 DM). Bevor guter Rat noch teurer wurde, entschied Harry Hockauf resolut, pragmatisch und verkündete seinen Stammgästen: „Wir gründen selbst einen Shantychor! Ihr seid alle mit dabei!“ Rolf Uwe Haschke, schon damals als 21jähriger ein Mann wie ein Baum,  bekommt noch heute feuchte Augen, wenn er an diese historische Stunde denkt - die Geburtsstunde von „Möwenschiet“. Die ca. 12 bis 15 Stammgäste, so genau ist das wohl heute nicht mehr zu eruieren, wurden quasi aus einer Schnapslaune heraus „dienstverpflichtet“. Mit dabei waren auch Stephan Fleck, damals mit  16 Jahren noch ein Schüler, der aufgrund seiner Begabung zum musikalischen Berater des Stammgäste-Chores wurde, und sein Bruder Peter, Eigner des Oldtimers „Norden“. Heute ist Stephan Fleck übrigens Chorleiter vom Passat Chor. Erster Chorleiter von „Möwenschiet“ war Wolfgang Schlicht, der mit dem Chor damals in der „Röhre“ in der unteren Mengstr. übte und bei Auftritten im weißen Anzug glänzte.

Eine gemeinsame Wochenend-Aktion, nämlich die Mithilfe beim Entkernen eines Lübecker Altstadthauses, erbrachte die beachtliche Summe von 1.000 DM in die ansonsten klamme Chorkasse. Davon wurde erst einmal eine einheitliche Chorbekleidung gekauft, da man sich bisher bei ersten Auftritten - individuell „wild verkleidet“ -  mit einem „Seemann-Piraten-Look“ beholfen hatte. Harry Hockauf  unterstützte seine Jungs nach Kräften, indem er das gesamte Trinkgeld in zwei Spendenbüchsen auf dem Tresen verteilte, eine für den Erhalt der „Passat“ und die andere natürlich für „Möwenschiet“. Übrigens hatte Fritz Graßhoff damals, wohl aus Rührung über seinen über Nacht entstandenen Shantychor, versprochen, für „Möwenschiet“ ein Lied zu schreiben, vielleicht so in der Art wie  „Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise“ für Hans Albers. Leider hat er sein Versprechen nicht gehalten. Doch Witz, Humor, Skurrilität, gepaart mit Tiefsinn und der Liebe zu Schiffen, Meer und ungewöhnlichen Menschen, hat Graßhoff als Geburtshelfer seinem „Möwenschiet“ als geistiges Erbe vermacht.

  Noch heute ist es dem Lübecker Shanychor Möwenschiet wichtig, seine Zuhörer in die Auftritte einzubinden und sie zum Mitsingen zu animieren, damit die große Seereise um die Welt auch Spaß macht. Denn: eine Seefahrt, die ist lustig  Auch wenn heute die Wirklichkeit heute grauer Arbeitsalltag heißt.